Sunday, July 21, 2024
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Der Rückbau Des Schweizer Atomkraftwerks Wird 15 Jahre Dauern Und 300 Arbeiter Erfordern


Der Rückbau des Kernkraftwerks Mühleberg im Kanton Bern schreitet gut voran, bis zur Wiederverwendung des Standorts im Jahr 2034 ist es aber noch ein weiter Weg.

Bisher wurden vier Jahre nach der Stilllegung der Anlage im Jahr 2019 5.400 Tonnen Material abtransportiert. Das entspricht rund einem Drittel des gesamten Materials, das bis zur vollständigen Demontage der Anlage transportiert werden muss, wie die Nachrichtenagentur Keystone-ATS erfuhr Betreiber BKW bei einem Besuch vor Ort.

Der erste große Meilenstein wurde Anfang September mit der Entfernung der letzten verbliebenen Brennelemente erreicht, die nun im Zwischenlager (Zwilag) in Würenlingen, Aargau, gelagert werden.

Die Entfernung aller Brennelemente war die Schlüsselphase der Arbeiten. Heute stellt Mühleberg kein nukleares Risiko mehr dar”, erklärt Urs Amherd, Leiter Nuklearstrategie beim Energieunternehmen BKW.

Der Bau der Anlage dauerte fünf Jahre, von 1967 bis 1972. Der Rückbau wird dreimal so lange dauern. Es werden nicht weniger als 300 Menschen beteiligt sein, also so viele wie damals, als das Kraftwerk noch in Betrieb war.

Es werden weiterhin strenge Sicherheitsmaßnahmen eingehalten. Um das Gelände zu betreten, muss man einen Schutzanzug und ein Dosimeter tragen, das die Radioaktivität misst. Es gibt auch eine Reihe von Sicherheitskontrollen.

Eine Mammutaufgabe

Jeder Bolzen muss vor der Entsorgung ausgebaut, gereinigt und vermessen werden. Der Abbau ist eine Mammutaufgabe, die auch viel Liebe zum Detail erfordert. Überall im Werk stapeln sich Kisten mit demontierten Teilen.

Die Spezialisten müssen die Wirkstoffe von den verunreinigten trennen. Die erste Kategorie umfasst Materialien, die durch Neutronenstrahlung radioaktiv gemacht werden. Dieser radioaktive Abfall wird in ein mit Wasser gefülltes Becken getaucht – ein Meter Wasser reduziert die Strahlung um den Faktor Tausend –, bevor er zum Lagerzentrum gebracht wird.

Kontaminierte Materialien hingegen sind nicht radioaktiv, sondern wurden durch Kontakt mit Flüssigkeiten oder Gasen, die radioaktive Partikel enthalten, verunreinigt. Auch hier handelt es sich um radioaktiven Abfall, der Behandlungs- und Dekontaminationsprozess ist jedoch unterschiedlich.

Asbest und Farbstoffe

Der Abbau hält manchmal einige Überraschungen bereit. Spezialisten haben mehr Asbest gefunden als erwartet. Auch bleihaltige Farbstoffe, die im gesamten Werk verstreut waren, erschwerten die Aufräumarbeiten.

„Wir mussten sogar unsere Overalls wechseln, nicht wegen der Radioaktivität, sondern wegen der giftigen Chemikalien“, erklärt Urs Amherd. Dies war jedoch kein ausreichender Grund, die Fristen zu verlängern.

Mühleberg ist das erste Kraftwerk der Schweiz, das stillgelegt wurde. Die Entscheidung wurde 2013 aus wirtschaftlichen Gründen getroffen. „Bei der aktuellen Strompreisentwicklung würde eine solche Entscheidung heute sicherlich nicht mehr getroffen werden“, sagt Amherd.

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