Friday, June 14, 2024
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Mit Rad Und Tat

Wo fährt es sich am besten mit dem Rad? In einer Befragung unter Zehntausenden Radfahrern schnitten Bremen oder Münster gut ab – Bestnoten gab es für Wettringen in Nordrhein-Westfalen. Wie machen die das?

Natürlich kommt Berthold Bültgerds mit seinem Fahrrad vorgefahren. Der Bürgermeister von Wettringen ist stolz: “Wir haben hier das Fahrrad schon genutzt, bevor man über Mobilitätswende überhaupt gesprochen hat”, sagt er und schiebt sein Rad durch die Kleinstadt im Münsterland – schwarze Daunenjacke, schwarze Sneaker, schwarzer Alurahmen.

Ihn grüßen fast alle Radfahrer, die ihm an diesem Vormittag in der Gemeinde begegnen. Und das sind eine Menge. “Mit einem gezielten Radwegenetzplan verbinden wir Wohnbereiche mit dem Schul- und Sportzentrum. Wir haben eigene Radwegebrücken über den Fluss gebaut und ermöglichen mit einer breiten Fahrradstraße die durchgehende Verbindung zu allen Nachbarkommunen.”

In Summe wurden seit 2019 bis heute über vier Millionen Euro in mehrere Projekte investiert, rechnet Bültgerds vor. Unter Verwendung verschiedener Förderzugänge hat die kleine Gemeinde mit 8300 Einwohnern also erhebliche Mittel in Radverkehrsprojekte gesteckt.

Spezielle Beleuchtungssysteme

Auf breiten Radwegen fühlen sich die Menschen in Wettringen sicher: Adaptive Beleuchtungssysteme erhöhen die Helligkeit, sobald Radfahrer auf der Verkehrsfläche wahrgenommen werden. An Knotenpunkten hat das Rad immer Vorrang. “Wir denken in der Verwaltung bei neuen Quartieren immer das Rad mit und planen gerade eine Fahrradstraße, um einen Siedlungsbereich direkt und sicher an den Ortskern anzubinden”, sagt der Bürgermeister, während er in die Pedale tritt.

Die roten Klinkerfassaden von Wettringen ziehen an ihm vorbei. Die Stadt hat bundesweit die beste Note von 2,0 beim ADFC-Fahrradklima-Test erzielt. 245.000 Menschen – so viele wie noch nie zuvor – stimmten bei der Umfrage zur Zufriedenheit von Radfahrerinnen und Radfahrern ab. In der Kategorie Städte über 500.000 Einwohnern gewinnt Bremen (Note 3,6) knapp vor Frankfurt am Main (3,6), das sich kontinuierlich verbessert und Hannover (3,6) auf Platz 3 verdrängt.

Münster vor Karlsruhe

Bei Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern holt Münster (Note 3,0) nach Jahren wieder den ersten Platz, Karlsruhe (3,1) und Freiburg im Breisgau (3,1) liegen dicht dahinter. In der Kategorie Aufholer werden die Städte ausgezeichnet, bei denen sich im Vergleich zum vergangenen ADFC-Fahrradklima-Test am meisten getan hat. Die stärksten Aufholer sind Köln (von 4,4 auf 4,2), Bonn (von 4,2 auf 3,8) und Koblenz (von 4,7 auf 4,3).

“Der ADFC-Fahrradklima-Test ist ein echtes Stimmungsbarometer”, sagt die ADFC-Bundesvorsitzende Rebecca Peters. “Er zeigt den Kommunen im Detail, wie ihre Maßnahmen bei den Menschen ankommen, wo sie bereits gute Arbeit geleistet haben und wo noch Nachbesserungsbedarf besteht.” Leider sei für eine attraktive Rad-Infrastruktur in Deutschland noch viel zu tun.

Zu schmale Radwege, zu viele Falschparker

“Radfahrende wünschen sich bessere und breitere Radwege, weniger Konflikte mit Autofahrenden, weniger Falschparker auf Radwegen und sichere Baustellenumleitungen”, sagt Peters. Einige Großstädte hätten bereits investiert und konnten sich verbessern.

Auf dem Land hingegen tut sich nach Einschätzung des ADFC nicht viel, obwohl es auch hier großes Potenzial und viele Möglichkeiten zur Förderung des Radverkehrs gebe. Das bundesweite Schlusslicht liegt auch in Nordrhein-Westfalen: Lüdenscheid wird mit 5,15 bewertet. Seit die Autobahn 45 dort gesperrt ist, erstickt die Stadt im Stau. Für Radfahrer sei der Verkehr laut ADFC teils lebensgefährlich.

Förderangebote nutzen

Bundesverkehrsminister Volker Wissing will es den Menschen leicht machen, sich für den Radverkehr zu entscheiden. “Deshalb unterstützen wir die zuständigen Länder und Kommunen dabei, die Radverkehrsinfrastruktur vor Ort einladend, komfortabel und sicher auszubauen. “Wir haben in dieser Legislaturperiode Finanzierungs- und Planungssicherheit für die Kommunen geschaffen”, sagt der FDP-Politiker bei der Preisverleihung zum ADFC-Fahrradklima-Test. Er gratuliere den Gewinner-Städten und appellierte an alle, Förderangebote zu nutzen und in den Radverkehr zu investieren.

Das macht die Gemeinde Wettringen im Münsterland schon lange und profitiert davon, sagt Bürgermeister Bültgerds. Er versucht, die Einwohner immer mit einzubeziehen: “Rat, Verwaltung und Bürgerschaft müssen den Weg gemeinsam gehen. Solche Ergebnisse sind nur als Team möglich.”

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